Pet Vet Clinic Dr. Stefan Kohlrausch

Schwan

An der Mosach in Freising fiel einigen Passanten am …... ein Schwan im Bereich des Veitshofes auf, der sich seltsam furchtlos und apathisch verhalten hatte. Nicht einmal von vorbeikommenden Hunden nahm er Notiz. Er bewegte sich nicht von der Stelle und nahm auch keinerlei Nahrung zu sich. Am abend riefen dann zwei Tierfreunde, die seit Stunden den Vogel beobachtet und bewacht hatten, den nächstgelegenen Tierarzt Dr. Stefan Kohlrausch zu Hilfe. 

Dieser kam mit einer Decke bewaffnet abends um halb neun Uhr an die Mosach, fing den Schwan ein und trug ihn zu Fuß in seine Praxis (Bild 1). Für einen normalerweise recht wehrhaften Gesellen war dieser recht friedlich und er ließ die notwendigen Untersuchungen bereitwillig über sich ergehen. Zunächst konnte jedoch außer einer geringgradigen Unterernährung keine Erkrankung festgestellt werden. 

Nach Rücksprache mit der Vogelklinik der Universität München schloß der Tierarzt durch 2 Röntgenaufnahmen auch noch eine befürchtete Bleivergiftung durch Schrotkugeln aus. Trotz Infusionen, Zwangsernährung und Behandlungen nahm das Tier über weitere 24 Stunden in der Praxis keinerlei Nahrung freiwillig auf. Inzwischen hatte die Familie Kohlrausch, die häufig verletzte Wildtiere behandelt und aufnimmt, in ihrem Garten für den Gast ein Gehege mit Wasserwanne zum Baden hergerichtet (Bild 2). 

Am folgenden Tag bemerkte der Tierarzt die ungewöhnliche Zungenbewegung des Schwanes und eine genauere Untersuchung des Schnabels und Halses ergab die Diagnose. Unter der Zunge steckte eine stinkende faserige Masse aus verklebten Federn, Gräsern und Dreck so fest, daß sie die zum Herunterschlucken von Nahrung notwendige Zungenbewegung verhinderte. Mit großer Vorsicht konnte die Masse unter der Zunge entfernt werden. Ohne Hilfe wäre das schöne Tier jämmerlich verhungert. Zum Glück waren keine Verletzungen des Zungengrundes vorhanden, so daß das Tier kurz danach wieder selbst Futter und Wasser aufnehmen und abschlucken konnte (Bild 3). 

Es dauerte auch nicht lange bis der große Schwan begann sich zu putzen, sein Gefieder wieder zu ordnen und das normale Verhalten kehrte zurück. Am dritten Tag klemmte sich der Tierarzt den hierzu wieder in eine Decke gewickelten Schwan unter den Arm und übergab ihn am Veitshof wieder der Freiheit. Sofort watschelte er zurück in die Mosach und schwamm überglücklich davon. Das Ehepaar Kohlrausch kontrollierte an den nächsten Tagen das Wohlbefinden des Tieres und als kleines Dankeschön schien sich der Schwan an seine Retter zu erinnern, denn er reagierte auf Ansprache und fauchte sie auch nicht an.

Für die Kosten des tierärztlichen Einsatzes über 3 Tage kommt wie so oft bei Tieren der „wildlebenden Art“ wieder einmal niemand auf. Die Stadt Freising fühlt sich bei Wildtieren (wie z.B.: Greifvögel, Enten, Igel, Marder, Rehen) nicht zuständig und die Rechnungsübernahme verweigerte auch der 1. Vorsitzende Herr Popp vom Tierschutzverein Freising.